FAQ
1 - Wie viel kommt vom Endverkaufspreis für ein fair gehandeltes Produkt bei den Produzenten an?
2 - Wofür werden die Mehreinnahmen aus dem Fairen Handel verwendet?
3 - Wie funktioniert die Kontrolle?
4 - Wie finanziert sich TransFair?
5 - Sind Fairtrade-Produkte nicht viel zu teuer?
6 - Schmecken die Fairtrade-Produkte überhaupt?
7 - Ist das Fairtrade-Siegel auch ein Biosiegel?
8 - TransFair und gepa - gibt es da einen Unterschied?
9 - Wie klimafreundlich ist der Faire Handel?
10 - Gibt es Fairtrade-Produkte, deren Fairtrade-Anteil nicht 100 Prozent beträgt und welche Regeln müssen die Hersteller dabei einhalten?
11 - Welche Bedeutung hat das Fairtrade-Siegel?
1 - Wie viel kommt vom Endverkaufspreis für ein fair gehandeltes Produkt bei den Produzenten an?
Unabhängig vom Endverkaufspreis hierzulande erhalten die Produzenten durch den Fairen Handel Preise, die über dem Weltmarktniveau liegen.
Zum Beispiel Kaffee: Allein die Kaffeeproduzenten haben im Jahr 2006 durch TransFair zehn Millionen Euro erhalten. Diese Einnahmen sind wichtiger denn je, angesichts des ruinösen Preisverfalls an den Rohstoffbörsen.
Die Kaffeekooperativen erhalten mindestens 1,25 US$ pro engl. Pfund (0,4536 kg) Kaffee ("Washed Arabica"). Liegt der Weltmarktpreis über 1,25 US$, wird der höhere Weltmarktpreis gezahlt. Bei Biokaffee erhalten die Kooperativen sogar 20 US-Cent mehr. Zusätzlich wird eine Fairtrade-Prämie von 10 US-Cent bezahlt.
Die Preise für Kaffee variieren je nach Kaffeesorte. Alle Standards können Sie sich auf der Website der Fairtrade Labelling Organizations ansehen: www.fairtrade.net.
2 - Wofür werden die Mehreinnahmen aus dem Fairen Handel verwendet?
Über die Verwendung der Erlöse aus dem Fairen Handel bestimmen die Produzenten selbst. Rund 1,6 Million Bauernfamilien und Plantagenarbeiter in circa 872 Kooperativen und Plantagen in rund 58 Ländern profitieren vom Fairen Handel mit dem Siegel. Neben der Deckung von Produktionskosten und der Sicherung des absoluten Existenzminimums, ermöglicht der Faire Handel darüber hinaus Investitionen in eine nachhaltige Zukunft. Aus den Mehreinnahmen erhalten die Bauern eine Einkommensverbesserung; darüber hinaus werden Schulen errichtet, Straßen gebaut, Kaufläden ausgestattet, in die Gesundheitsvorsorge, Bildung und den Umweltschutz investiert.
3 - Wie funktioniert die Kontrolle?
Um die Glaubwürdigkeit des Fairtrade-Siegels zu sicherzustellen, arbeitet die zuständige Zertifizierungsgesellschaft FLO-CERT GmbH mit einem unabhängigen, transparenten und weltweit konsistenten System, das den Anforderung der DIN ISO Norm 65 folgt. ISO 65 ist heute die weltweit akzeptierte Akkreditierungsnorm für Zertifizierungsorganisation.
FLO-CERT GmbH stellt sicher, dass die Produkte mit dem Fairtrade-Siegel nach den internationalen FLO-Standards produziert und gehandelt werden. Alle an der Fairtrade-Handelskette beteiligten Organisationen, Firmen, Produzentenorganisation, Exporteure und Importeure unterliegen dem strengen Kontrollsystem von FLO-CERT. Wichtigstes Kontrollinstrument ist in allen Bereichen die Durchführung und Auswertung von Inspektionen nach einheitlichen Verfahren. So wird sichergestellt, dass alle gesiegelten Produkte tatsächlich fair gehandelt wurden und die Mehreinnahmen den Produzentenorganisationen in den südlichen Ländern zufließen.
4 - Wie finanziert sich TransFair?
TransFair finanziert sich hauptsächlich aus Lizenzgebühren, die die Unternehmen für die Nutzung des Fairtrade-Siegels zahlen müssen. Zusätzlich erhält der Verein projektbezogene Zuwendungen. Außerdem zahlen die 35 Mitgliedsorganisationen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag.
5 - Sind Fairtrade-Produkte nicht viel zu teuer?
Beim konventionellen Kaffee laufen zwei Drittel aller Verkäufe über Sonderangebote. Sie geben nicht den realen Preis wieder, sondern sind Lockvogelangebote der Handelsketten. Dies lässt den Preisunterschied zu einem fair gehandelten Kaffee sehr hoch erscheinen.
Auf die Tasse oder das Glas umgerechnet, zahlen die Konsumenten aber nur wenige Cent mehr für einen fair gehandelten Kaffee, Tee oder Orangensaft. Dafür betreiben sie aktiv Entwicklungspolitik mit dem Einkaufskorb und können die qualitativ hochwertigen Produkte mit den fairen Nebenwirkungen für die Produzentinnen und Produzenten oft auch in biologischer Qualität doppelt genießen.
6 - Schmecken die Fairtrade-Produkte überhaupt?
Inzwischen gibt es über 100 verschiedene Kaffeesorten mit dem Fairtrade-Siegel, darunter Spezialitäten wie Espresso, mild, entcoffeiniert oder Bio sowie über 40 verschiedene Teesorten. Daher ist für jeden Geschmack etwas dabei. Bei den Produkten mit dem Fairtrade-Siegel kann jede/r auf den Geschmack kommen.
Das Fairtrade-Produkte gut schmecken und hohen Qualitätsanforderungen entsprechen belegen die zahlreichen guten Bewertungen in Test der Stiftung Warentest und von ÖKO-TEST.
7 - Ist das Fairtrade-Siegel auch ein Biosiegel?
Fairtrade ist kein Biosiegel, sondern ein Sozialsiegel: trotzdem ist das Biosortiment in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Heute tragen 75 Prozent aller Fairtrade-gesiegelten Produkte auch ein Biolabel.
Seine Prioritäten setzt Fairtrade jedoch auf die sozialverträglichen Handelsbedingungen. Fairtrade möchte gerade die Lebenssituation der besonders benachteiligten Produzentinnen und Produzenten verbessern. Von Beginn an einen kontrolliert ökologischen Anbau zu erwarten, würde viele Produzentengruppen ausschließen.
Der Faire Handel ist oftmals die Voraussetzung für eine ökologische Anbauweise. Hier erhalten die Bauern ein Stück finanziellen Spielraum, um die zeitraubende und oft teure Umstellung auf zertifizierten Anbau zu bezahlen. In allen Produktbereichen wird kontinuierlich darauf hingearbeitet. So profitiert auch die Umwelt vom Fairtrade-Mehrpreis. Nach erfolgter Umstellung fördert der Faire Handel ökologisch angebaute Produkte mit einem Bioaufschlag.
8 - TransFair und GEPA - gibt es da einen Unterschied?
TransFair ist eine unabhängige Siegelinitiative. TransFair handelt nicht selbst mit Produkten, sondern vergibt sein Siegel an Firmen, die sich vertraglich verpflichten, die Fairtrade-Standards einzuhalten und dies auch kontrollieren zu lassen.
Die GEPA ist das größte Fairhandelsunternehmen der Welt und der wichtigste Lizenznehmer von den rund 150 Vertragspartnern von TransFair. Sie lässt sich von TransFair auf eine Reihe von Produkten, wie Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, Bonbons, Honig, Reis, Wein, Datteln, Fußbälle und Orangensaft auf die Einhaltung der Fairtrade-Standards kontrollieren.
9 - Wie klimafreundlich ist der Faire Handel?
Sollte man angesichts des Klimawandels noch Fairtrade-Produkte kaufen? Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf Fairtrade-Produzenten? Wie werden Fairtrade-Produkte überhaupt nach Deutschland transportiert? Diese und weitere wichtige Fragen zum Thema Klimawandel und Fairer Handel beantwortet Ihnen unser Informationsblatt "Fragen und Antworten zu Fairtrade Deutschland, Klimawandel und Nachhaltige Produktion".
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10 - Gibt es Fairtrade-Produkte, deren Fairtrade-Anteil nicht 100 Prozent beträgt und welche Regeln müssen dabei die Hersteller einhalten?
Auch Produkte, die nicht ausschließlich aus Fairtrade-Zutaten bestehen, können das Fairtrade-Siegel tragen.
Beispiel: In einem Schokoriegel kommen viele verschiedene Inhaltsstoffe zusammen. Kakao und Zucker können über Fairtrade-Kooperativen bezogen werden, Molkereierzeugnisse hingegen gibt es nicht Fairtrade zertifiziert.
Ziel ist es aber möglichst viele Produzenten an den Vorteilen des Fairen Handels teilhaben zu lassen. Um gleichzeitig die Glaubwürdigkeit des Siegels zu gewährleisten, hat TransFair feste Regeln aufgestellt, die alle Produkte mit Fairtrade-Siegel erfüllen müssen:
- Bei charakteristischen Hauptzutaten, die namensgebend für eine Produkt sind oder für die Rezeptur essentiell sind, reicht es aus, wenn diese Hauptzutat aus dem Fairem Handel kommt und mindestens 20 Prozent des Produkts darstellt. Normalerweise müssen aber mindestens 50 Prozent des Produkts aus Fairem Handel stammen.
- Alle Zutaten, die von Fairtrade-Produzenten geliefert werden können, müssen auch von diesen eingekauft werden. Es ist also nicht möglich, einen Schokoriegel mit Fairtrade-Zucker, aber ohne Fairtrade-Kakao herzustellen.
Grundsätzlich müssen immer beide Regeln erfüllt sein.
11 - Welche Bedeutung hat das Fairtrade-Siegel
Das Fairtrade-Siegel ist bewusst so gestaltet worden, dass es mehrere Deutungen zulässt.
Das frühere Siegel (links) zeigte eine Figur in der Mitte vor einer Weltkugel, die zwei Gefäße hält. Im neuen Logo (rechts) wurde diese im mittleren, schwarzen Teil des Logos ansatzweise wieder aufgenommen. Die veränderte Haltung des einen Armes nach oben im neuen Logo könnte eine Frau aus Afrika andeuten, die etwas auf dem Kopf transportiert. Die Armhaltung könnte aber auch die Kraft symbolisieren, die TransFair einsetzt, um den Menschen in den Ländern des Südens "unter die Arme zu greifen".
Es ist aber durchaus auch möglich, in dem Zeichen einen Papageienkopf mit geöffnetem Schnabel zu sehen (der Kreis wäre das Auge, die Spitze der blauen Fläche die obere Schnabelspitze), stellvertretend für Südamerika - oder auch einen Elefanten unter südlicher Sonne (blau wäre dann der Himmel, grün die Steppe) als Symbol für Afrika.
Die Farben "grün" und "blau" stehen für Land und Meer oder Erde und Himmel, auch der Symbolgehalt "Hoffnung" der Farbe grün lässt sich mit Fairtrade in Verbindung bringen.Die grafische Aufteilung der Flächen erinnert zudem an das asiatische yin-yang-Symbol, das für Harmonie und Ausgleich steht.
Das TransFair Logo wurde also nicht gezielt auf ein bestimmtes Symbol oder eine bestimmte Bedeutung hin gestaltet, sondern es steht für viele verschiedene Assioziationen, die mit dem Fairen Handel in Verbindung gebracht werden können. Somit gibt es keine "richtige" oder "falsche" Deutung des Siegels, in jedem Fall aber einen hohen Wiedererkennungswert, der auch bei der Gestaltung intentiert war.












