
Emilse aus Costa Rica
"Der Faire Handel ist eine Verbesserung um 100 %"
Emilse, Costa Rica, verheiratet, sechs Kinder
Ihre Leidenschaft:
Emilse ist vielbeschäftigt. Einen Teil des Tages arbeitet sie als Näherin - sie näht Männerhosen. Aber so richtig blüht sie erst bei der Handarbeit in den Zuckerrohrfeldern ihrer Familie auf. Und das, obwohl es in den Feldern richtig heiß und schwül sein kann. Sie kann es sich auch gar nicht erklären, warum sie diese Schweiß treibende Arbeit so mag. "Es gibt viele Männer, die diese anstrengenden Tätigkeiten nicht so mögen - ich schon. Ich helfe überall mit: Zuckerrohr durch die Presse drücken, das Feuer anfachen, Sirup machen." Kürzlich lag Emilse im Krankenhaus mit Atemproblemen. Sie musste sogar ins Sauerstoffzelt. Jetzt rackert sie schon wieder auf dem Feld und in der Näherei. Die 65-Jährige scheint unverwüstlich.
Ihr Alltag:
Emilse kommt eigentlich aus der Hauptstadt San Jose. Dort arbeitete sie in einer Näherei. Als sie mit 19 Jahren heiratete, kam sie aufs Land. "Das war schon eine schwierige Umstellung. Es gab kein Wasser, keine Straße, kein Licht. Ich war gewohnt, dass ein Haus neben dem nächsten steht. Aber hier? Hier war niemand. Ich fühlte mich allein," erklärt Emilse. Also stürzte sie sich in die Arbeit. Schon bald brachten die Dorfbewohner Stoffe zu ihr, damit sie daraus Hosen nähe. Wenn es die Zeit zuließ, ging sie auf die Zuckerrohrfelder und half zunächst dabei, das Zuckerrohr zum Wagen zu transportieren.
Abends ist Emilse meist ziemlich kaputt und sie geht früh zu Bett. "Fernsehen mag ich ohnehin nicht. Da kann ich auch schlafen oder noch etwas lesen. Meine Kinder bringen mir oft Bücher mit." Am Wochenende geht es in Emilses Haus oft zu wie in einem Hotel. Sie hat eine riesige Verwandschaft und irgendjemand davon sagt sich immer zu einem Besuch an. "Meine Verwandten mögen Tortillas - Berge von Tortillas. Also stehe ich den ganzen Tag in der Küche, aber ich würde es nicht machen, wenn es mir keinen Spaß machen würde."
Fair geht's besser:
Emilses Ehemann ist einer der 15 Gründer der örtlichen Bauernvereinigung Asoprodulce. Diese Kooperative verkauft mittlerweile 60 % ihres Zuckers in den Fairen Handel. Der Zucker ist organisch angebaut und erhielt vor einigen Jahren ein Bio-Zertifikat. Emilse beschreibt den Verkauf über den Fairen Handel als "100 % Verbesserung. Früher hatten wir überhaupt keine Sicherheit. Es gab Phasen, da haben wir fast nichts verdient."
Asoprodulce versorgt die Bauern mit Kleinkrediten und Expertenrat. Nur so können sie in ihre Zukunft investieren und den Anbau des Zuckers verbessern. "Niemand sonst hält so viele Möglichkeiten für uns bereit", sagt Emilse, "du kannst dir auf einfache Art und Weise Geld leihen" Und was würde Emilse machen, wenn sie richtig viel Geld hätte? "Ich würde noch mehr anpflanzen. Dann könnten wir mehr produzieren. Zucker ist alles, was wir brauchen."

