Wissenswertes

Allgemeine Informationen

Fairer Handel mit Wein

Welche Vorteile haben die Produzenten vom Fairen Handel?

Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?

Was müssen Importeure und Hersteller für das Fairtrade-Siegel tun?

Allgemeine Informationen

Fotograf: Howard Davies

Rund 20 Liter Wein werden in der Bundesrepublik Deutschland pro Kopf jährlich getrunken, knapp 68 Prozent der weltweiten Weinproduktion findet in Europa statt. Doch die Weine aus Entwicklungsländern gewinnen zunehmend an Bedeutung. Fairtrade-Weine kommen von Weingütern in Südafrika und Chile.

Aus Südafrika kommen vor allem die Sorten Chenin Blanc, Colombard, Chardonnay, Sauvignon blanc, Cabernet Sauvignon, Pinotage, Shiraz, Merlot and Cinsaut. Knapp 400.000 Menschen sind auf den Weingütern und in den Weinkellern Südafrikas angestellt. Gut die Hälfte der dortigen Weinbauern produziert weniger als 100 Tonnen Wein im Jahr, nur knapp ein Siebtel produziert mehr als 500 Tonnen.
Seit dem Ende der Apartheid wurden hier große Anstrengungen unternommen, die bisher benachteiligten Bevölkerungsschichten stärker an Grundbesitz und Fachwissen zu beteiligen.

Chile: Die Lebensbedingungen der Chilenen sind so unterschiedlich wie die Geographie des langgestreckten Andenstaates. So gelten zum Beispiel in Cauquenes, einer der ärmsten Provinzen des Landes, etwa 40 Prozent der Menschen als arm oder extrem arm. Das Weinbaugebiet liegt nahe der Stadt Curicó, hier haben sich Kleinbauern zusammengetan, um gemeisam und unabhängig ihre Trauben zu vermarkten.

Fairer Handel mit Wein

Weingläser

Ein Großteil der Fairtrade-Weine kommen von Weingütern in Südafrika. Hier wurden einige erfolgreiche Projekte zur Weiterbildung und Grundbesitzabgabe an ehemalige Angestellte gestartet.

In Chile haben sich Weinbauern zusammengeschlossen, um die Abhängigkeit von Zwischenhändlern zur reduzieren und durch die gemeinsame Vermarktung ihrer Trauben bessere Preise zu erzielen. Hiervon werden zum Beispiel Weiterbildungen bezahlt und monatliche Abschlagszahlungen für die Bauern, die sich so in den erntefreien Monaten nicht verschulden müssen. Die Kinder können zur Schule gehen.

Der Faire Handel unterstützt diese Projekte durch die Zahlung von Mindestpreisen, langfristige Lieferbeziehungen und bei Bedarf durch die Gewährung von Vorfinanzierung der Ernte.

Welche Vorteile haben die Produzenten vom Fairen Handel?

Weinberg

Für den Fairen Handel werden Mindestpreise festgesetzt, die in Absprache mit den Produzentenorganisationen und unabhängig von den Preisschwankungen auf den Märkten zu bezahlen sind. Sie decken sowohl die Produktionskosten ab, die unter menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen entstehen, als auch die alltäglichen Lebenshaltungskosten. Zusätzlich wird ein Bio-Aufschlag gezahlt.

Der Faire Handel garantiert, dass die Produzentengruppen in Südafrika pro Kilo Trauben mindestens 0,15 Euro erhalten, in Chile 0,25 Euro. Zusätzlich wird ein Premium von 0,05 Euro pro Kilo zur Verwendung für Investitionen in die soziale, ökonomische und ökologische Weiterentwicklung der Organisation gezahlt. Für Bio-Trauben wird ein zusätzlicher Aufschlag von mindestens 0,026 Euro pro Kilo Trauben bezahlt.

Die Produzentengruppen entscheiden selbst, wie sie den Mehrerlös aus dem Fairen Handel verwenden. TransFair mischt sich da nicht ein. Der Dachverband, die Fairtrade Labelling Organization (FLO), kontrolliert allerdings, ob die jeweiligen Beschlüsse satzungsgemäß, d.h. vor allem demokratisch, zustande kamen. Darüber hinaus gibt es Richtlinien für die Art der Projekte, für die der Mehrerlös verwendet wird. So können zum Beispiel die Kinder der Arbeiter bei Stellar Organics Kindergarten, Grundschule und weiterführende Schule kostenlos besuchen.

 

Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?

Traubenbauern, die ihre Trauben zu fairen Bedingungen verkaufen wollen, setzen sich für eine nachhaltige Entwicklung, Umweltschutz, Bildung und Frauenförderung ein. Über die Verwendung des Fairtrade-Aufschlags für soziale Projekte wird gemeinschaftlich entschieden.

 

Was müssen Importeure und Hersteller für das Fairtrade-Siegel tun?

Fotograf: Howard Davies

Nur wer sich vertraglich verpflichtet, die Kriterien des Fairen Handels einzuhalten, darf seinen Wein mit dem Fairtrade-Siegel auszeichnen.

  • Der Wein wird direkt von Weingütern gekauft, die im FLO-Produzentenregister eingetragen sind.
  • Produzenten und Importeure streben eine langfristige Lieferbeziehung an.
  • Für den Wein erhalten die Produzentenorganisationen mindestens 0,15 Euro pro Kilo Trauben in Südafrika, 0,25 Euro in Chile.
  • Zusätzlich wird ein Premium von 0,05 Euro pro Kilo zur Verwendung für Investitionen in die soziale, ökonomische und ökologische Weiterentwicklung der Organisation gezahlt.
  • Auf Wunsch der Produzentenorganisationen wird vom Weinimporteur ein Kredit von bis zu 60 Prozent des Kaufwertes gewährt (Vorfinanzierung).
  • Für Wein aus biologischem Anbau ist ein zusätzlicher Aufschlag von 26 Euro Euro pro Tonne Trauben zu zahlen.
  • Importeure und Weinbauern müssen Kontrollen von der FLO-CERT GmbH (Niederlassung Köln) zulassen.
  • Die Importeure zahlen eine Lizenzgebühr von 0,084 Euro pro Flasche Wein an den TransFair e.V. Diese Gebühr schmälert nicht das Einkommen der Produzentinnen und Produzenten, denn sie wird zusätzlich zu dem festgelegten Mindestpreis bezahlt.