
Saidan aus Pakistan
Saidan, Fußballnäherin aus Pakistan
In dem kleinen Nähzentrum sitzen die Frauen auf Hockern auf dem Boden und nähen Fußbälle - das ist die einzige Arbeit, die es hier in der pakistanischen Region Sialkot für Frauen gibt. Und die Arbeit ist mühsam, 37 Cent gibt es für einen Ball der besten Qualität. Dafür bekommt man in Pakistan nicht mal ein Kilo Reis.
Mit den üblichen Löhnen alleine könnte Saidan ihre neun Kinder nur schwer durchbringen. Die 50jährige kommt seit bald 10 Jahren jeden Tag in das Nähzentrum von Talon, sie ist sozusagen einer der Mitbegründerinnen. Im Bälle nähen hat sie wirklich Übung, ihre Hände mit den beiden Nadeln fliegen so schnell, dass man ihnen kaum folgen kann. Anderthalb Stunden braucht sie, um einen Ball zu nähen. Aber nicht jeder Ball ist gleich. Auf manche Fußbällen ist das gepa-Logo oder das Fairtradesiegel gedruckt - und diese Bälle näht Saidan am Liebsten, denn für jeden fairen Ball, den sie fertig stellt, erhält sie fast den doppelten Stückpreis.
Das ist nicht der einzige Vorteil, den der Fabrikant Talon seinen Nähern Dank der Zusammenarbeit mit dem Fairen Handel, wie zum Beispiel der GEPA - The Fair Trade Company, bieten kann: Alle Arbeiter und ihre Familien haben kostenlosen Zugang zu einer Gesundheitsversorgung. Für die Kinder gibt es in den Frauennähzentren Vorschulen. Mariam, Saidans Tochter, war dort und hat das ABC gelernt. Damit hatte sie ihren Mitschülern schon einiges voraus, als sie in die Schule kam
Wer für Talon Fußbälle näht, kann sich außerdem um einen Kleinkredit bewerben. Saidan hat das getan und von den umgerechnet 420 Euro eine trächtige Büffelkuh gekauft. Zwei Jahre arbeitete ihr Mann, wenn er nicht als Hilfsarbeiter auf einem Bau zu tun hatte, mit dem Büffel auf dem Feld, bis der Kredit zurück bezahlt war. Dann wurden beide Tiere verkauft - knapp 300 Euro Gewinn konnte die Familie dabei machen. Ihr neues Haus wächst stetig. Drei Zimmer haben sie jetzt, und es ist noch Platz, um ein viertes anzubauen, wenn mal wieder Geld da ist. Saidans größter Traum sind getönte Fensterscheiben - die helfen gegen die allgegenwärtige Hitze.
Doch diesen Traum wird sich die Familie wohl nur erfüllen können, wenn auch die älteren Kinder mitarbeiten. Normalerweise wäre ihr Weg vorgezeichnet: Fußbälle nähen für die acht Töchter, etwas handwerkliches für den Sohn. Doch dank der fairen Fußbälle, die Saidan immer wieder nähen kann, kann sie es sich leisten ihre Kinder länger zur Schule gehen und nachmittags zusätzlich von Tutoren unterrichten zu lassen. Saidans Töchter bekommen eine echte Chance, und Mukades ist fest entschlossen sie zu nutzen. "Ich möchte später keine Fußbälle nähen, ich will Lehrein werden", sagt die 18jährige. In einem Jahr wird sie mit der Schule fertig sein und sich um eine Stelle bewerben. Wo, das weiß sie schon genau: In der Vorschule von Talon, um die Kinder der Näherinnen zu unterrichten.
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