Ovidia aus der Dominikanischen Republik

Ovidia aus der Dominikanischen Republik

"In der Gemeinschaft bündeln wir unsere Kräfte"

Ovidia, Dominikanische Republik, verheiratet, vier Kinder

Ihre Leidenschaft:
Ovidia Rosario lebt für ihre Gemeinschaft, in der sie sich stark engagiert. Sie ist eine der Direktoren ihrer örtlichen Frauengruppe, mit der sie sich zweimal in der Woche trifft. Die Frauengruppe kümmert sich um alle Anliegen des Dorfes: Sie sammelt Geld für kommunale Projekte, stellt Kleidung her, kauft und verkauft Dies und Das und setzt sich vor allem für Verbesserungen für die örtliche Schule ein.
Das Prinzip der Gemeinschaft sei simpel, erklärt die 70-Jährige: "Du vereinigst dich, um selbst stärker zu sein. Wir bündeln unsere Kräfte."

Ihr Alltag:
Bereits um 5.00 Uhr morgens steht Ovidia auf - ihr Mann Ovispo und fünf Enkel wollen mit dem Frühstück versorgt werden. Auf die fünf Enkel passt Oma Ovidia auf, weil ihre Tochter nicht im Dorf arbeitet und deshalb nicht nach ihren Kindern sehen kann. Nach dem reichhaltigen Frühstück mit Orangen, Mangos und Kaffee macht sich Ovispo auf den Weg zu seinen Kakaofeldern, während Ovidia den Haushalt in Ordnung bringt.

Am Mittag macht auch sie sich auf den halbstündigen Fußweg auf die Felder. Ihrem Mann bringt sie ein Picknick mit - Bohnen, Reis oder Spaghetti, manchmal sogar etwas Fleisch. Nach dem Mahl setzen die beiden ihre Arbeit fort, die Kakaopflanzen wollen gepflegt werden. Zurückschneiden, Schädlinge bekämpfen, neue Bäume setzen. Etwa zweimal im Monat kann der Kakao geerntet werden. Am Abend kehrt das Pärchen nach Hause zurück, denn da warten schon die Enkel und haben Hunger. Für die 70-Jährige bleibt nicht viel Zeit zum Ausruhen. Wenn überhaupt, dann lässt sie sich von Soaps, den klassischen brasilianischen Telenovas, berieseln.

Fair geht's besser:
Ovidia und Ovispo verkaufen ihren Kakao über eine Bauernvereinigung, sie sind Mitglieder der Conacado-Kooperative. Allerdings können die beiden nur knapp die Hälfte ihres Kakaos in den Fairen Handel abstoßen, da die Nachfrage der Konsumenten nach fair gehandeltem Kakao viel zu gering ist. Immerhin erhalten die beiden Alten für den fair gehandelten Teil ihres Kakaos einen garantierten Mindestpreis.

Das ist vor allem deshalb überlebenswichtig, weil in den vergangenen zwei Jahren die Produktionskosten höher waren als der Ertrag. Ohne den Fairen Handel wären die beiden nach den schwierigen letzten Jahren in ernsthafte Not geraten. Deshalb sind Ovidia und Ovispo der Kooperative Conacado sehr dankbar. Durch die zusätzlichen Gelder ist im Dorf eine Krankenstation eingerichtet worden und es gibt seit Neuestem einen Laden, in dem die Dorfbewohner zu günstigen Konditionen Pflanzen kaufen können, um sich damit selbst zu ernähren.