Wissenswertes

Allgemeine Informationen zur Situation auf dem Kaffeemarkt

Fairer Handel mit Kaffee

Welche Vorteile haben die Produzenten vom Fairen Handel?

Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?

Was müssen Importeure und Hersteller für das Fairtrade-Siegel tun?

Allgemeine Information zur Situation auf dem Kaffeemarkt

Hände mit Kaffeebohnen

Kaffee ist nach Erdöl der weltweit wichtigste Exportrohstoff. Rund 25 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern leben von der Kaffeeernte. In Deutschland allein wurden pro Kopf im Jahr 2005 149 Liter getrunken. Dennoch werden die Produzenten im Süden davon nicht reich. Denn die Kleinproduzenten erhalten nur einen sehr geringen Anteil des Ladenpreises, der kaum einer Kleinbauernfamilie erlaubt, menschenwürdig zu existieren.
In den letzten fünf Jahren ist der Kaffeemarkt weltweit in eine schwere Krise geraten. Der Erlös, den die Kleinbauern erhalten, deckte oftmals nicht ihre Produktionskosten ab. Ein Überangebot an Kaffee, neue Anbieter auf dem Markt und ein gleichzeitig stagnierender Konsum in den Industrieländern - all das hat zu der Krise geführt. Erst seit kurzem steigen die Kaffeepreise wieder an, da das größte Kaffeeexportland Brasilien unter einer Trockenperiode leidet.

Fairer Handel mit Kaffee

Kaffeeproduzentin

Für den Fairen Handel werden Mindestpreise festgesetzt, die in Absprache mit den Produzentenorganisationen und unabhängig von den Preisschwankungen auf den Märkten zu bezahlen sind. Sie decken sowohl die Produktionskosten ab, die unter menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen entstehen, als auch die alltäglichen Lebenshaltungskosten. Für Bio-Kaffee wird überdies ein zusätzlicher Aufschlag gezahlt. Die Kleinbauerngenossenschaften erhalten durch den Fairen Handel immer bessere Preise als über den konventionellen Markt.

Inzwischen werden jährlich rund sechs Millionen Pfundpäckchen Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel verkauft; das bedeutet jeweils Direkteinnahmen von über 10 Millionen Euro pro Jahr für die Genossenschaften.
Der Faire Handel mit Kaffee fördert gezielt die Kleinbauern, die sich in Genossenschaften organisiert haben.

Auf der internationalen Ebene arbeitet die Fairtrade Labelling Organization (FLO) derzeit mit 250 Produzentengruppen aus folgenden 25 Ländern zusammen:
Äthiopien, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Indonesien, Kamerun, Kolumbien, Republik Kongo, Demokratische Republik Kongo, Mexiko, Nicaragua, Ost-Timor, Papa Neuguinea, Peru, Ruanda, Tansania, Thailand, Uganda, Venezuela.

Die Entwicklung am Kaffeemartk

Bitte klicken Sie auf die Grafik um eine größere Ansicht zu erhalten.

Entwicklung am Kaffeemarkt

 

 

Welche Vorteile haben die Produzenten vom Fairen Handel?

Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern erhalten auf dem konventionellen Markt oft weniger als die jeweilige Börsennotierung für Rohkaffee, da sie den Kaffee meist an Zwischenhändler zu miserablen Preisen verkaufen müssen.
Im Fairen Handel erhalten die Partnerorganisationen einen festgelegten Mindestpreis, der immer über dem Weltmarktpreis liegt.

Neben dem Mindestpreis sind langfristige Lieferbeziehungen und das Recht auf Vorfinanzierung wichtige Vorteile. Zusätzlich vermittelt das Monitoring neueste Marktinformationen. Über ein Netzwerk zur Unterstützung der Farmer werden weitere Hilfen für die Produzenten und ihre Kooperativen angeboten.
Der Faire Handel garantiert, dass die Produzentengruppen pro englischem Pfund "Washed Arabica" (453,6 g) mindestens 1,25 US-Dollar erhalten. Steigt der Weltmarktpreis über 1,25 US-Dollar pro englischem Pfund, erhalten die Kleinbauerngruppen den Weltmarktpreis plus der Fairtrade-Prämie von 10 US-Cent. Der Bio-Aufschlag wirkt sich mit mindestens 0,20 US-Dollar für ein englisches Pfund Röstkaffee aus.

Die Produzentengruppen entscheiden selbst, wie sie den Mehrerlös aus dem Fairen Handel verwenden. TransFair mischt sich da nicht ein. Der Dachverband FLO kontrolliert allerdings, ob die jeweiligen Beschlüsse in den Kooperativen auch satzungsgemäß, d.h. vor allem demokratisch, zustande kamen. Darüber hinaus wird kontrolliert, für welche Projekte der Mehrpreis verwendet wird. Oftmals erhalten die Bauern in den Genossenschaften Kredite, Arbeitsgeräte, Samen und Beratung. Die landwirtschaftliche Beratung soll die Bauern in die Lage versetzen, auch außerhalb des Fairen Handels auf dem Markt bestehen zu können. Auch der Anbau von Produkten für den regionalen Markt wird gefördert. Er vermindert die Abhängigkeit vom Export.

Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?

Kaffeepflanzenaufzucht

Der Faire Handel mit Kaffee fördert gezielt die Kleinbauern, die sich in Genossenschaften organisiert haben. Genossenschaften, die ihren Kaffee zu fairen Bedingungen verkaufen wollen, verpflichten sich vertraglich zur Einhaltung unter anderem folgender Kriterien:

  • Die Genossenschaften müssen politisch unabhängig sein und eine demokratische Struktur aufweisen.
  • Bei den Genossenschaftsmitgliedern handelt es sich überwiegend um kleinbäuerliche Familienbetriebe.
  • Die Kleinbauern sind an allen wichtigen Entscheidungen ihrer Genossenschaft direkt und demokratisch beteiligt. Dies gilt insbesondere für die Verwendung des Mehrerlöses aus dem Fairen Handel.

Die Organisationen setzen sich für eine nachhaltige Entwicklung von Ökologie, Bildung und Frauenförderung ein.

Was müssen Importeure und Hersteller für das Fairtrade-Siegel tun?

Nur wer sich vertraglich verpflichtet, die Kriterien des Fairen Handels einzuhalten, darf seinen Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel auszeichnen.

  • Der Kaffee wird direkt von Genossenschaften beziehungsweise Kleinbauernorganisationen gekauft, die im FLO-Produzentenregister eingeschrieben sind.
  • Produzenten und Käufer streben eine langfristige Lieferbeziehung an.
  • Für den Kaffee erhalten die Produzentenorganisationen mindestens 10 US-cents/lb (1lb=0,4536 kg) mehr als der jeweilige Weltmarktpreis, in jedem Fall mindestens jedoch 125 US-cents/lb (pro englisches Pfund Washed Arabica). Der Aufschlag auf den Weltmarktpreis wird ohne Begrenzung nach oben bezahlt.
  • Auf Wunsch der Produzentenorganisationen wird vom Käufer ein Kredit von bis zu 60 Prozent des Kaufwertes gewährt (Vorfinanzierung).
  • Für Kaffee aus biologischem Anbau ist ein zusätzlicher Aufschlag von 20 cents/lb zu zahlen.
  • Importeure und -hersteller müssen Kontrollen von der FLO-CERT GmbH (Niederlassung Köln) zulassen.
  • Die Hersteller (Röster) zahlen eine Lizenzgebühr von 0,11 Euro pro Pfundpäckchen Kaffee an den TransFair e.V. Diese Gebühr schmälert nicht das Einkommen der Produzentinnen und Produzenten, denn sie wird zusätzlich zu dem festgelegten Mindestpreis bezahlt.

Fairtrade-Mindestpreise, Bio-Aufschlag und Fairtrade-Prämie in US-Dollar für 1 lb (englisches Pfund = 453,6 g) Kaffee. Gültig ab 1. Juni 2008.

USD / lb

Fairtrade-Mindestpreis

Bio-Kaffee

Fairtrade-Prämie

Kaffeesorte

Für alle Regionen

Für alle Regionen

Für alle Regionen

Washed Arabica

1,25

0,20

0,10

Non-washed Arabica

1,20

0,20

0,10

Washed Robusta

1,05

0,20

0,10

Non-washed Robusta

1,01

0,20

0,10