
Wissenswertes
Die Vanillepflanze
Anbau und Ernte
Süßer Geschmack - bittere Marktbedingungen
Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?
Was müssen die Importeure und Hersteller tun um das Fairtrade-Siegel zu bekommen?
Die Vanillepflanze
Vanille war bereits bei den Mayas und später bei den Azteken ein wertvolles Gewürz. Die Vanillepflanze ist eine immergrüne tropische Orchideenart und wächst als Liane mit bis zu 30 Meter langen Ranken, die Urwaldbäume erklimmen. Ihre Heimat liegt in Mexiko, heute wächst sie auch in vielen anderen Ländern. Sie benötigt ein warm-tropisches Klima mit gleichmäßig verteilten Niederschlägen und Beschattung gegen die Sonneneinstrahlung. Die Fairtrade-Vanille stammt von verschiedenen Kooperativen aus Indien, Sri Lanka, Uganda und den Komoren.
Verwendung als Gewürz finden die ungefähr 20 cm langen Fruchtkapseln, die oft als Schoten bezeichnet werden. Bei der Ernte sind die Schoten noch grün und ohne Vanillegeschmack. Sie müssen aufwendig fermentiert werden und erhalten erst dabei den schwarzbraunen Glanz und das Vanillearoma. Die Kapseln werden häufig zu Pulver zermahlen. Vanillepulver oder Vanilleessenz aromatisieren viele verschiedene Lebensmittel.
Das Gewürz ist in Europa in Eiscreme, Kuchen und anderen Süßigkeiten zu finden. Auf dem Deutschen Markt gibt es Fairtrade-Vanille bisher nur in Form von Eiscreme.
Anbau und Ernte
Die Vanillepflanze ist ein Schattengewächs und muss vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Deshalb wird sie zusammen mit anderen Früchten oder Kaffee angebaut, die der Pflanze Schatten spenden. Ihre Produktion ist sehr arbeitsintensiv, wobei der Ertrag nur sehr gering ausfällt. Zwischen der Pflanzung der Vanille bis zur Ernte liegen drei Jahre. Eine ausgewachsene Pflanze trägt 80 bis 100 Bohnen (2 kg) und liefert dem Bauern sechs Jahre lang neue Bohnen, wenn die Pflanze gut gepflegt wird. Bei der Herstellung des Gewürzes - beim Trocken - verlieren die Bohnen stark an Gewicht: Für die Produktion von ein Kilogramm getrockneter Vanille werden fünf Kilogramm grüne Vanillebohnen benötigt.
Um ihre Pflanzen leichter pflegen und ernten zu können, lassen die Bauern sie nur zwei Meter hoch wachsen. Die Bestäubung der Blüten muss - außer in ihrer mexikanischen Heimat - innerhalb einer kurzen Zeitspanne künstlich durch Menschenhand erfolgen, damit die Pflanze Früchte trägt. Nur in Raum Mexiko gibt es eine bestimmte Bienenart, die die Pflanze auf natürliche Weise bestäuben kann.
Die Samenkapseln entwickeln sich in sechs bis acht Monaten zur Erntereife. Verantwortlich für die Abspaltung des Vanillins und die Entstehung der schwarzbraunen Farbe sind verschiedene Enzyme. Diese enzymatische Reifung der Vanille, die man auch als Schwitzen bezeichnet und die langsame Trocknung, dauern ja nach Verfahren tage- bis wochenlang.
Süßer Geschmack - bittere Marktbedingungen
Nachdem es im Jahr 2000 aufgrund von Naturkatastrophen zu einer Vanilleknappheit auf dem Weltmarkt kam, stieg der Preis für das Gewürz stark an: Für ein Kilogramm Vanille wurden damals 300 US-Dollar bezahlt. Viele Händler griffen deshalb auf den viel günstigeren und synthetisch gewonnenen Vanillin-Aromastoff zurück. Vanille wurde außerdem verstärkt in anderen Ländern in Afrika oder Lateinamerika angebaut.
Der Anstieg der Vanilleproduktion kombiniert mit einer geringeren Nachfrage der Händler führte dazu, dass der Preis für Vanille seit 2003 immer weiter gefallen ist - 2005 lag er bei nur noch 50 US Dollar pro Kilogramm. Ein Preissturz von 84 Prozent.
Während die gesamte Vanilleindustrie dabei ist, sich von den verheerenden Marktschwankungen zu erholen, kämpfen die Bauern weiter darum, ihre Vanille zu verkaufen. Die Vanilleproduzenten bekommen oft weniger als acht Prozent vom Exportpreis für die getrockneten Bohnen. Viele Bauern mussten aufgrund der geringen Nachfrage am Markt und den gefallenen Preisen ihre Vanillepflanzen aufgeben.
2006 wurde eine neue Vanillepflanze gezüchtet, der die Sonneneinstrahlung nicht schadet. Die neue Pflanze und ihre Anbaumethode stellen die Kleinbauern, die sich die neuen Pflanzen nicht leisten können, in den Schatten. Die großen Plantagen hingegen können ihre Anbauflächen für die neue Pflanze erweitern. Durch den Anstieg von Vanille auf dem Weltmarkt wird der Preis weiter fallen. Auch die Umwelt leidet darunter, denn Abholzungen und Bodenerosionen sind die Folge.
In Zeiten geringer Vanille-Preise ist der Faire Handel noch wichtiger für die Produzenten geworden. Fairtrade-Vanille stellt sicher, dass die Bauern einen fairen Preis bekommen, nachhaltiger Anbau erfolgt, die Umwelt geschont wird und eine Fairtrade-Prämie zur Finanzierung sozialer Gemeinschaftsprojekte gezahlt wird.
Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?
Der Faire Handel mit Vanille fördert gezielt die Kleinbauern, die sich in Genossenschaften organisiert haben. Genossenschaften, die ihre Vanille zu fairen Bedingungen verkaufen wollen, verpflichten sich vertraglich folgenden Bedingungen einzuhalten:
- Die Genossenschaften müssen politisch unabhängig sein und eine demokratische Struktur aufweisen.
- Bei den Genossenschaften handelt es sich überwiegend um kleinbäuerliche Familienbetriebe.
- Die Kleinbauern sind an allen wichtigen Entscheidungen ihrer Genossenschaft direkt und demokratisch beteiligt. Dies gilt besonders für die Verwendung der Fairtrade-Prämie.
- Die Organisation setzt sich für nachhaltige Entwicklung von Ökologie, Bildung und Frauenförderung ein.
Was müssen die Importeure und Hersteller tun um das Fairtrade-Siegel zu bekommen?
Nur wer sich vertraglich verpflichtet, die Kriterien des Fairen Handels zu beachten und dies auch von der FLO-CERT GmbH (Köln) überprüfen lässt, darf seine Vanille und die Produkte in der diese zu finden ist, mit dem Fairtrade-Siegel auszeichnen.
Die Kriterien beinhalten:
- Vanille wird nur bei Produzentenorganisationen gekauft, die auch im Produzentenregister der Fairtrade Labelling Organization (FLO) gelistet sind.
- Kaufverträge werden zu festgelegten Mindestpreisen abgeschlossen, die die Produktionskosten decken und den Bauern einen nachhaltigen Lebensunterhalt sichern. Der Preis für grüne Vanillebohnen aus Indien, Sri Lanka liegt bei 5,30 US-Dollar pro Kilo.
- Zusätzlich muss eine Fairtrade-Prämie gezahlt werden. Diese liegt für Vanille aus Indien und Sri Lanka bei 0,59 US-Dollar pro Kilo grüne Vanillebohnen.
(Wenn Sie sich über die Fairtrade-Preise in den anderen Anbauländern informieren wollen, klicken Sie bitte hier www.fairtrade.net)
- Es werden langfristige Handelsbeziehungen angestrebt.
- Auf Wunsch muss den Produzenten ein Kredit von 60 Prozent der zu erwartenden Ernte bezahlt werden.
- Für die Verwendung des Fairtrade-Siegels ist eine Lizenzgebühr an TransFair zu zahlen. Diese schmälert nicht die Einnahmen der Produzenten.




