Wisseswertes

Unter welchen Bedingungen werden die Früchte angebaut?

Wie funktioniert der Faire Handel mit Saft?

Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?

Was müssen Importeure und Hersteller für das Fairtrade-Siegel tun?

 

Unter welchen Bedingungen werden die Früchte angebaut?

Kleinbauer

Orangen für die Saftherstellung werden in der Regel auf Plantagen angebaut. Mangos kommen von Kleinbauern oder auch von Plantagen.

Die Ernte der Früchte ist ein sehr arbeitsintensiver Prozess. Doch Kleinbauern und -bäuerinnen werden durch Billigkonkurrenz ins Abseits gedrängt und oft zur Aufgabe ihrer Produktionen gezwungen. Andererseits erhalten Pflückerinnen und Pflücker, die in den Obstplantagen als Tagelöhner arbeiten, extrem niedrige Löhne.

Bei Orangen zum Beispiel beträgt der Lohn bei einer Pflückleistung von 2.000 Kilo Orangen pro Tag umgerechnet nur vier bis sechs Euro. Die Lebensbedingungen der Arbeiter sind oft prekär, die Wohnverhältnisse schlecht und die medizinische Versorgung ist ungenügend.

 

Wie funktioniert der Faire Handel mit Säften?

Auf dem Feld

Für den Fairen Handel mit Saft-Früchten wie Orangen oder Mangos gelten Mindestpreise, die unabhängig von den Preisschwankungen auf den Märkten zu bezahlen sind. Sie decken die Produktionskosten ab, die unter menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen durchschnittlich entstehen. 25 Produzentenorganisationen sind derzeit bei der Fairtrade Labelling Organization (FLO) registriert, die Frischfrüchte anbauen.

Der faire Mindestpreis für eine Tonne Orangensaftkonzentrat beträgt zur Zeit 1200 US-Dollar - immer noch oberhalb des in der letzten Zeit wieder angestiegenen Weltmarktpreises. Zusätzlich wird ein Aufschlag (Premium) von 100 US-Dollar pro Tonne Orangensaftkonzentrat für Investitionen in die Infrastruktur, in Bildung, Gesundheit, ökologische Verbesserungen und Organisationsentwicklung bezahlt. Sollte der Weltmarktpreis einmal über 1200 US-Dollar steigen, wird das Premium auf den jeweils aktuellen Weltmarktpreis aufgeschlagen.

Für andere Früchte wie Mangos oder Ananas ist der Mindestpreis je nach Herkunftsland unterschiedlich. Die genauen Preise für alle Früchte können Sie auf der Website der Fairtrade Labelling Organizations (FLO) abrufen (www.fairtrade.net) oder Sie laden sich hier eine entsprechende PDF-Daite auf Englisch runter.

Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?

Kisten voll mit Orangen

Als die am meisten benachteiligten Glieder der Produktionskette benötigen die Pflückerinnen und Pflücker die größte Aufmerksamkeit. Um dies zu erreichen sind bei der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) gegenwärtig Betriebe und Plantagen registriert, die unter anderem folgende Kriterien erfüllen:

  • Vertreter der Betriebe beziehungsweise Plantagen und der Tagelöhner bilden ein Komitee, das über die Verwendung des Fairhandels-Aufschlages (Premium) entscheidet.
  • Für Entscheidungen in diesem Komitee ist Konsens die Voraussetzung, die Verwaltung ist transparent.
  • Das Premium darf nicht für Leistungen verwendet werden, die Betriebe und Plantagen ohnehin leisten müssten.
  • Das Plantagenmanagement stellt der internationalen Kontrollebene FLO alle relevanten Daten zur Verfügung und erstattet regelmäßig über die Verkäufe zu fairen Bedingungen Bericht.
  • Die Betriebe und Plantagen verpflichten sich zur Einhaltung der sozialen und ökologischen Mindeststandards.

 

Kleinbauern und Plantagenbesitzer verpflichten sich, arbeitsrechtliche und ökologische Mindeststandards umzusetzen, dazu zählen unter anderem:

  • Das Verbot von Zwangs- und illegaler Kinderarbeit. Für die Pflückerfamilien heißt das, gelegentliche Mitarbeit der Kinder ist nur erlaubt, wenn sie gleichzeitig regelmäßig eine Schule besuchen.
  • Maßnahmen zum Gewässer- und Erosionsschutz.
    Schrittweise Reduktion von Pestiziden.

In das Frischfrüchte-Produzentenregister werden gegenwärtig organisierte Kleinbauerngruppen aufgenommen, die unter anderem folgende Kriterien erfüllen:

  • Die Organisation gehört keiner politischen Partei an, ist unabhängig und wird demokratisch kontrolliert.
  • Transparenz von Management und Verwaltung sind gewährleistet, um den Mitgliedern eine effektive Kontrolle zu ermöglichen.
  • Kleinbauern-Gruppen, die während der Ernte Landarbeiter beschäftigen, müssen diesen die vorgeschriebenen Mindestlöhne bezahlen (derzeit für Orangen 10 US-Dollar pro Tonne).

Was müssen Importeure und Hersteller (Abfüllbetriebe) für das Fairtrade-Siegel tun?

Pflückerin

Nur wer sich vertraglich verpflichtet, die Kriterien des Fairen Handels einzuhalten und dies auch von der FLO-CERT GmbH (Köln) kontrollieren zu lassen, darf seinen Saft mit dem Fairtrade-Siegel auszeichnen.

  • Einkauf von Konzentrat so direkt wie möglich.
  • Bezahlung des garantierten Mindestpreises. Für Orangen sind das 1.200 US-Dollar pro Tonne Orangensaftkonzentrat plus eines Fairhandels-Aufschlages von 100 US-Dollar.
  • Auf Wunsch kann eine Vorfinanzierung gewährt werden.
  • Es werden langfristige Abnahmeverträge angestrebt.
  • Die Hersteller zahlen eine Lizenzgebühr an TransFair. Bei Orangen sind das 0,03 Euro pro Liter Orangensaft. Diese Gebühr schmälert nicht das Einkommen der Produzentinnen und Produzenten, denn sie wird zusätzlich zu dem festgelegten Mindestpreis bezahlt.
  • Importeure und -hersteller müssen Kontrollen von der FLO-CERT GmbH zulassen.