Wissenswertes

Wo kommen unsere Schnittblumen her?

Blumenpflückerin

Millionen Schnittblumen werden jährlich in Europa eingeführt, vor allem aus Kolumbien, Ekuador, Israel und Ostafrika. Deutschland gilt dabei als Weltmeister beim Importieren von Blumen - rund 3 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2004 für Schnittblumen aus. Den höchsten Anteil daran haben Rosen mit über 30 Prozent. Vor allem im Herbst und Winter besteht ein hoher Bedarf an importierten Blumen. Heimische Blumen gibt es dann kaum noch.

Der Blumenhandel ist ein knallhartes Geschäft: Der größte Teil des Handels läuft über die große Blumenbörse in Amsterdam. Der genaue Preis einer Blume entscheidet sich erst direkt vor Ort an der Börse, extreme Preisschwankungen sind möglich. Die Arbeitsbedingungen auf den meisten Blumenfarmen werden von niedrigen Löhnen und intensivem Einsatz von zum Teil hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln bestimmt.

Fairer Handel mit Blumen

Rose im Baum

Auf Fairtrade-zertifizierten Blumenfarmen werden die Blumen nach klar definierten sozialen und ökologischen Standards gezüchtet. Das bedeutet faire Löhne, sichere soziale Grundrechte, Gewerkschaftsfreiheit, Verbot von illegaler Kinderarbeit, Gesundheitsschutz, Schutz der Umwelt. Nur dann werden sie von den Inspekteuren der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) zertifiziert und erhalten das Fairtrade-Siegel.

Fairtrade-Rosen aus Ostafrika werden direkt gehandelt, gehen also nicht über die Blumenbörse in Holland. Auf dem Nairobi International Airport werden sie direkt verladen und nach Deutschland transportiert. Dadurch gelangen sie über Nacht schnittfrisch nach Frankfurt, werden dort angeschnitten und versorgt und umgehend an den Handel ausgeliefert.

Importeure und Handel haben hohe Qualitätsansprüche - die Rosen werden ständig auf Frische, Temperatur und Haltbarkeit kontrolliert. Sorgfältige Pflege und kurze Wege heben den Qualitätsstandard. Der Weg jeder einzelnen Blume ist im Fairtrade-System vom Setzling bis zum Verkauf nachvollziehbar. Und jeder einzelne Rosenstrauß trägt das internationale Gütesiegel für Fairen Handel.

TransFair und FLP - gemeinsame Ziele

Blumenpflückerin

Nach Berichten über die starke Belastung der Pflückerinnen und Pflücker und der Umwelt rund um die Blumenfarmen durch niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und intensiven Einsatz von zum Teil hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln entwickelte der deutsche Blumenhandel in den 90er Jahren gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen wie Brot für die Welt, terre des hommes, FIAN und Gewerkschaften das Flower Label Programm (FLP). Seit 1999 gibt es einen Kriterienkatalog für eine umwelt- und sozialgerechte Blumenproduktion. Diese Blumen werden in Deutschland im Blumenfachhandel vertrieben.

Die hervorragende Arbeit des FLP hat eine reibungslose und schnelle Fairtrade-Zertifizierung vieler Blumenfarmen in Ostafrika ermöglicht. Bei der Erarbeitung der Fairtrade-Kriterien wurde eng mit dem FLP kooperiert und ein großer Teil der ökologischen und sozialen Richtlinien übernommen. Zurzeit sind in Ostafrika 13 Blumenfarmen mit insgesamt rund 20.000 Angestellten im Blumenbereich Fairtrade-zertifiziert, weitere sollen folgen. Zusätzlich zu der Erfüllung der Kriterien des FLP profitieren diese Farmen vom Fairtrade-Aufschlag für soziale Projekte.

Mehr Informationen zu FLP erhalten Sie unter www.fairflowers.de.

Welche Vorteile haben die Produzenten vom Fairen Blumenhandel?

Importeure zahlen für Fairtrade-Blumen einen festgelegten Aufschlag - die Fairtrade-Prämie von zwölf Prozent des Einkaufs-Preises (FOB). Der Joint Body, ein Komitee aus Arbeiter- und Managementvertretern entscheidet gemeinschaftlich über die Verwendung der Prämiengelder zum Wohle der Arbeiterinnen und Arbeiter, ihrer Familien und Gemeinden. So werden vielfältige Projekte finanziert, zum Beispiel die Anschaffung von Moskitonetzen, Trinkwasserfiltern und Fahrrädern, der Bau von Kindertagesstätten oder Kantinen, die Unterstützung von Schulen, Weiterbildungsprojekten und Krankenhäusern, Gesundheitsaufklärung und vieles mehr.
Gleichzeitig profitieren die Pflückerinnen und Arbeiter der Farmen von den strengen sozialen und ökologischen Richtlinien zum Beispiel zur Arbeitssicherheit und Mindestlöhnen.

Welche Kriterien erfüllen die Produzenten?

Rosenpflückerin

In das Blumen-Produzentenregister können Plantagen aufgenommen werden, die sich zur Einhaltung folgender Kriterien verpflichten:

Es wird ein unabhängiges Komitee, der sogenannte Joint Body, aus Arbeiterschafts- und Managementvertretern gegründet, das die Einnahmen durch die Fairtrade-Aufschläge verwaltet und demokratisch über Projekte für das Gemeinwohl entscheidet.

  • Transparenz von Management und Verwaltung müssen gegeben sein.
  • Die einzelnen Organisationen sind offen für neue Mitglieder und lehnen jegliche Diskriminierung ab.
  • Der Plantagenbesitzer geht zusätzlich folgende Verpflichtungen ein:
  • Auf der Plantage ist eine eigenständige, unabhängige Vertretung der Arbeiterinnen und Arbeiter zugelassen.
  • Alle Beschäftigten sind berechtigt, sich einer unabhängigen Gewerkschaft anzuschließen und kollektiv über Löhne und Arbeitsbedingungen zu verhandeln.

Genossenschaften und Plantagenbesitzer verpflichten sich, arbeitsrechtliche und ökologische Mindeststandards umzusetzen, dazu zählen u.a.:

  • Das Verbot von illegaler Zwangs- und Kinderarbeit
  • Maßnahmen zum Gewässer- und Erosionsschutz
  • Schrittweise Reduktion im Gebrauch von Pestiziden

Was müssen Importeure und Hersteller für das Fairtrade-Siegel tun?

Nur wer sich vertraglich verpflichtet, die Kriterien des Fairen Handels einzuhalten, darf seine Blumen mit dem Fairtrade-Siegel auszeichnen.

  • Die Blumen werden direkt von Blumenfarmen gekauft, die im FLO-Produzentenregister eingeschrieben sind.
  • Produzenten und Käufer streben eine langfristige Lieferbeziehung an.
  • Der Käufer zahlt einen Fairtrade-Aufschlag von zwölf Prozent auf den Einkaufspreis (FOB), der auf das gesonderte Konto des Joint Body überwiesen wird.
  • Auf Wunsch der Produzentenorganisationen wird vom Käufer ein Kredit von bis zu 60 % des Kaufwertes gewährt (Vorfinanzierung).
  • Importeure und Hersteller müssen Kontrollen von der FLO-CERT GmbH (Niederlassung Köln) und der internationalen Dachorganisation FLO zulassen.
  • Die Importeure zahlen eine Lizenzgebühr von 6,8 Cent pro 10 Rosen an TransFair e.V. Diese Gebühr schmälert nicht das Einkommen der Produzentinnen und Produzenten.