Rosen vom Äquator

Gut ein Drittel der Rosen, die in Deutschland verkauft werden, kommen aus Kenia, denn dort ist es rund ums Jahr ist es warm und sonnig. Die Arbeiter werden meistens schlecht bezahlt während die Farmer riesige Gewinne einfahren. Doch die von Transfair gesiegelte Farm Panda Rosa zeigt: Es geht auch anders. Und davon können alle profitieren.

 
Die Pflückerin

Grace hat so viele Rosen im Arm, dass sie sie kaum alle halten kann. Mit prüfendem Blick läuft sie durch die Reihen der Sträucher, zieht jede Knospe an sich heran, schaut, ob sie die richtige Größe hat und schneidet die erntereifen Blumen. Grace mag die Blumen, besonders gerne erntet sie die roten Rosen "auf diese Tage freue ich mich immer sehr". Aber nicht nur deswegen findet Grace, dass sie mit Panda Rosa den besten Arbeitgeber in der Region gefunden hat. "Hier haben wir richtige Schutzkleidung, Handschuhe und Uniformen aus extra reißfestem Stoff, so dass wir uns an den Dornen nicht verletzten" meint die 40jährige - und das, so sagt sie, sei nur einer der vielen Vorteile daran, auf einer von Transfair zertifizierten Farm zu arbeiten. "Seitdem ich bei Panda Rosa arbeite, habe ich ein viel höheres Einkommen als früher." Statt der branchenüblichen 42 Euro Monatslohn bekommt Grace 58 Euro. Reich ist sie damit nicht. Mit ihren vier Kindern lebt sie einer Hütte aus Lehm, gedeckt mit Wellblech und ohne Fenster. Es gibt keinen  Wasseranschluss, ihr 14jähriger Sohn Isak muss täglich mit drei großen Kanistern zur Wasserstelle. Trotzdem fühlt sich Grace wohlhabend: "Dank der Fair Trade Prämie haben wir Solarzellen und damit Strom. Und wir haben ein Fahrrad, so dass Isak das Wasser nicht schleppen muss."

Lehrerin, Arzt und Ingenieur - das sind die Berufsziele von Grace Kindern. Normalerweise müssten das für Kinder armer Eltern Träume bleiben, denn ein Gymnasium zu besuchen kostet in Kenia Geld. Doch aus der Fair Trade Prämie werden für die Kinder der Panda Rosa Arbeiter die Schulgebühren bezahlt und Stipendien für die Uni vergeben.

 
Die Packerin

Sorgfältig legt Rebecca die Rosen nebeneinander, nicht ohne vorher zu prüfen, ob jede einzelne auch wirklich gerade und schön gewachsen ist. Sie schneidet die Stiele auf die selbe Länge und schlägt die Pracht in Wellpappe ein. "Ich liebe Rosen. Nicht nur, weil sie schön aussehen, sondern weil sie sich um mich kümmern, mir Arbeit geben und mich ernähren." Das nicht jede Rose gleich gut für ihre Arbeiter sorgt, erfährt Rebecca jeden Tag, wenn sie mit ihrem Mann Peter spricht. Der arbeitet auf einer Rosenfarm, die nicht für den Fairen Handel produziert, und die Unterschiede sind gewaltig: "Peter bekommt keine Überstunden bezahlt und auf seiner Farm gibt es keine Krankenstation, wo er sich behandeln lassen könnte. Und sein Lohn kommt oft nicht pünktlich." erzählt die 23jährige. Rebecca und Peter leben mit ihrem einjährigen Sohn in einem großen, kahlen Raum. Der einzige Luxus ist eine Stereoanlage. Das junge Paar spart jeden Schilling, denn Dank der Fair Trade Prämie konnten sie günstig Land kaufen, und darauf soll bald ein kleines Haus stehen. 

 

Der Betriebsrat

Solarzellen, Stipendien für die Kinder, Grundstückskauf - für Grace und Rebecca sind diese Dinge nur möglich, weil es eine Fair Trade Prämie gibt. Zusätzlich zum normalen Preis wird für jede fair gehandelte Rose 12 Prozent zusätzlich bezahlt, Geld, dass nicht an Panda Rosa, sondern an den Betriebsrat fließt. Jedes Jahr kommen so mehr als 100.000 Euro zusammen, und der Betriebsrat trifft sich alle zwei Monate, um darüber zu entscheiden, wie das Geld verwendet werden soll. §Das erste, was wir mit der Prämie angeschafft haben, war eine Maismühle. Seitdem können die Arbeiter von Panda Rosa ihr Maismehl günstiger einkaufen als auf dem Markt." erinnert sich Ester, die Vorsitzende des Betriebsrates.Die Projekte, die der Betriebsrat in Angriff nimmt, sind völlig unterschiedlich. "Wir haben Impfstoffe gekauft, so dass sich alle Arbeiter gegen Typhus und Hepatitis B schützen lassen können. Wir haben Wassertanks für Grundschulen in der Umgebung angeschafft, damit unsere Kinder in der Schule sauberes Trinkwasser haben. Wir bieten Kurse zur AIDS-Aufklärung an und informieren über das Arbeitsrecht." Um herauszufinden, was sich die Arbeiter wünschen, führen ihre demokratisch gewählten Vertreter regelmäßig Umfragen durch. Als nächstes soll eine Baumschule entstehen, damit sich jeder vor seiner Hütte einen schattenspendenden Baum pflanzen kann - auch dies war ein Wunsch aus der Arbeiterschaft."Wir sind jedem sehr dankbar, der eine fair gehandelte Rose kauft, denn mit jeder einzelnen wächst unsere Prämie, so dass wir mehr Projekte verwirklichen können." fasst Ester den Dank der Arbeiter an die Kunden in Deutschland zusammen.Der Betriebsrat von Panda Rosa ist sich sicher, dass der Faire Handel, nach und nach überall in der Rosenindustrie die Arbeitsbedingungen verbessern wird. Die Züchter aus der Nachbarschaft sind von den Prämien, den höheren Löhnen und all den anderen Vorteilen bei Panda Rosa nicht gerade begeistert, denn die ersten Anzeichen für eine kommende Veränderung seien schon zu sehen, meint Ester: "Die Arbeiter von den anderen Farmen bekommen mit, dass es auch bessere Arbeitsbedingungen geben kann als bei ihnen. Und sie fangen an, die auch für sich einzufordern."

 

Der Arbeitgeber

Um seine Rosen von TransFair siegeln lassen zu können, musste der Eigentümer von Panda Rosa, Igal Elfezouaty eine ganze Reihe Kriterien erfüllen: Gewerkschaftliche Organisation, Festanstellungen statt Saisonarbeit, Gesundheitsversorgung, Schutzvorrichtungen, höhere Löhne. All das wird nicht aus der Fair Trade Prämie finanziert, sondern muss von Panda Rosa selber geleistet werden. Igal Elfezouaty macht das alles nicht aus reiner Menschenliebe, sondern vor allem, weil es sich lohnt: "Glückliche Arbeiter sind gute und verlässliche Arbeiter." erklärt er lapidar. Er betrachtet die Vorteile für die Arbeiter als eine Investition in deren Loyalität, die sich auszahlt. Anders als auf anderen Farmen ist Streik bei Panda Rosa noch nie ein Thema gewesen - und Streik ist bei der empfindlichen Ware Rose eine Katastrophe. "Wir stellen fest, dass unsere Arbeiter besonders sorgfältig sind, und sich große Mühe geben um ein optimales Produkt herzustellen. Und weil wir besonders gute Qualität produzieren, gewinnen wir immer mehr Kunden. Der Faire Handel hilft also allen: Den Arbeitern genauso wie den Farmern." Igal Elfezouaty ist sich sicher, dass Panda Rosa die Auszeichnung "Bester Rosenzüchter Kenias" dem Fairen Handel verdankt.