Presse

Mittwoch, 25.07.2007

Globale Fairtrade-Verkäufe nehmen um 40 Prozent zu und kommen weltweit 1,4 Millionen Bauern zugute

Nach Angaben der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) haben die Konsumenten auf der ganzen Welt im Jahr 2006 1,6 Milliarden Euro für zertifizierte Fairtrade-Produkte ausgegeben. Dies entspricht einer Zunahme von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und kommt weltweit über 1,4 Millionen Produzenten und Arbeitern unmittelbar zugute.

FairTrade-Logo

Das Wachstum ist bei allen Produktkategorien beeindruckend, besonders jedoch bei Kakao (+ 93%), Kaffee (+ 53%), Tee (+ 41%) und Bananen (+ 31%). Auch die Fairtrade-Baumwoll-bauern erlebten eine Verdoppelung der Nachfrage nach ihren Erzeugnissen in nur einem Jahr.

Mit den Produktverkäufen stieg 2006 auch die Zahl der Lizenznehmer (Unternehmen, die die Fairtrade-Produkte herstellen) von 1514 auf 1954. Einige Unternehmen gingen Verpflichtungen zur Unterstützung des Fairen Handels ein. Die britische Supermarktkette Sainsbury's kündigte im vergangenen Dezember die komplette Umstellung ihres Bananensortiments auf fair gehandelte Bananen an. Marks & Spencer, ein weiteres britisches Einzelhandelsunternehmen, reagierte auf die Nachfrage seiner Kunden nach ethisch hergestellten Produkten und stellte im April 2006 seine gesamten Tee- und Kaffeesortimente auf Fairtrade um. Das weltweite Einzelhandels- und Franchiseunternehmen Dunkin Donuts hat in Nordamerika und Europa zu 100 Prozent auf fair gehandelten Espressokaffee umgestellt. Im September 2006 gab die Insomnia Coffee Company in Irland bekannt, in ihren Filialen im ganzen Land werde künftig zu 100 Prozent zertifizierter Fairtrade-Kaffee serviert, und auch Scandic und Hilton, eine der grössten Hotelketten Schwedens, kündigte im Oktober die Umstellung auf Fairtrade-Kaffee an.

"Wir möchten allen Konsumenten und Unternehmen danken, die den Fairen Handel 2006 unterstützt haben. Dank Ihrem täglichen Einkauf zertifizierter Fairtrade-Produkte haben Produzenten und Arbeiter in den Entwicklungsländern für ihre Ernten bessere Preise und Prämien erhalten und konnten das Leben ihrer Familien und Gemeinden verbessern. Wir Fairtrade-Produzenten werden weiterhin hart arbeiten, um den Verbrauchern beste Qualitätserzeugnisse zu liefern, in der Hoffnung, dass die Nachfrage weiter wächst und damit noch mehr Produzenten von diesem revolutionären Ansatz profitieren können", sagte Binod Mohan, Präsident des Network of Asian Producers (NAP), einer Vereinigung, die innerhalb der FLO die zertifizierten Fairtrade-Produzenten Asiens (HAAR) vertritt.
Das Fairtrade-System bringt den Bauern und Arbeitern jedoch mehr als den Absatz ihrer Produkte. Die Fairtrade-Standards garantieren langfristige Vertragsbeziehungen zwischen den Produzenten und ihren Abnehmern. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Produzenten ihre Zukunft planen können.

Valentin Chinchay, Mitglied der Fairtrade-Kaffeegenossenschaft FABECAFES in Ecuador, berichtet: "Während der weltweiten Kaffeekrise von 2001 und 2002 war unsere Lage hoffnungslos. Damals erhielten wir 20-25 US$ pro Quintal (45,4 kg)? viele ecuadorianische Kaffeeproduzenten gaben auf. Es blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem Kaffeeanbau aufzuhören". Der Unterschied seit der Fairtrade-Zertifizierung von FAPECAFES vor vier Jahren in 2003 ist bemerkenswert. "Derzeit verkaufen wir 80 Prozent unserer gesamten Kaffeeproduktion zu Fairtrade-Konditionen. Für unseren fair gehandelten Bio-Kaffee erhalten wir 139 US$ pro Quintal und für konventionellen Fairtrade-Kaffee 119 US$. Wichtiger als die höheren Preise ist aber die Stabilität, die uns der Faire Handel bringt. Der unsichere Markt macht uns nicht mehr so verletzbar wie früher", fügt er hinzu. FLO schätzt, dass die Fairtrade-zertifizierten Kooperativen im Jahr 2006 mit den Kaffeeverkäufen im Fairen Handel 41 Mio. Euro mehr erzielt haben, als ihnen der Verkauf zu konventionellen Bedingungen eingebracht hätte.
Obwohl der Faire Handel in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um 40 Prozent pro Jahr gewachsen ist, ist das Expansionspotenzial weiterhin enorm. Nach Schätzungen von FLO werden rund 20 Prozent aller Erzeugnisse der zertifizierten Fairtrade-Produzenten zu Fairtrade-Konditionen verkauft. FLO und ihre Mitglieder, die nationalen Siegelinitiativen, arbeiten daran, den Zugang zu neuen Märkten zu erschließen und für die Produzenten neue Absatzmöglichkeiten zu finden, damit die zertifizierten Produzentenorganisationen in Zukunft grössere Teile ihrer Produktion zu Fairtrade-Konditionen verkaufen können.

Die FLO-Präsidentin Barbara Fiorito kommentiert: "Die wachsende Nachfrage der Konsumenten nach Fairtrade-Produkten bedeutet vor allem eines - und dies ist das Wichtigste: mehr Bauern können mehr von ihren Erzeugnissen zu Fairtrade-Konditionen verkaufen, wodurch sie ihre Organisationen stärken, langfristige Beziehungen aufbauen und den Nutzen für ihre Gemeinden erhöhen können."

"Wir dürfen uns jedoch nicht zufrieden geben. Zu viele Produzenten auf der ganzen Welt sind weiterhin Opfer der unfairen Bedingungen des internationalen Handels. Oft sind sie gezwungen, ihre Ernte unter den Produktionskosten zu verkaufen. Auch müssen zu viele Arbeiter in Entwicklungsländern niedrige Löhne und unsichere Arbeitsbedingungen hinnehmen, und häufig wird ihnen die Freiheit verweigert, einer Gewerkschaft beizutreten. Neben unseren fortgesetzten Bemühungen, Regierungen zu beeinflussen und die internationalen Handelsregeln zugunsten der ärmsten Länder zu verbessern, ist der Einbezug von Fairtrade-Produkten in unsere tägliche Einkaufsroutine ein Weg, um eine starke Botschaft an die Branche zu richten und die konventionellen Händler und Regierungen schließlich dazu zu bringen, die Auswirkungen ihrer Geschäftspraxis und -Politik zu überdenken. Wir brauchen Menschen, die noch lauter rufen, und wir brauchen Firmen, die mit einem echten Engagement antworten, sonst werden Millionen Bauern der Armut ausgeliefert bleiben. Der Faire Handel muss ein fester Bestandteil der täglichen Denk- und Einkaufsgewohnheiten von Millionen Menschen werden."

Nationale Fairtrade-Highlights im Jahr 2006:

Kanada
Die grössten kanadischen Lebensmittelketten, darunter Costco, Loblaws und Sobey's, haben im Jahr 2006 Fairtrade-Kaffee, -Tee, -Zucker und -Kakao in ihre Sortimente aufgenommen. Via Rail, die nationale Eisenbahngesellschaft Kanadas, serviert nur noch gesiegelten Fairtrade-Kaffee und hat mit diesem Engagement zertifizierte Fairtrade-Produkte von Küste zu Küste eingeführt.

Irland
Die im Juni 2007 gewählte neue irische Regierung hat sich in ihrem Regierungsprogramm zu einer Fairtrade-Einkaufspolitik verpflichtet. Damit sind alle Regierungsabteilungen aufgefordert, (wo immer möglich) Fairtrade-Produkte zu berücksichtigen. Die Verkäufe von gesiegelten Fairtrade-Produkten haben in Irland im Jahr 2006 um 75 Prozent zugenommen.

Schweiz
Zertifizierte Fairtrade-Bananen sind auf dem Schweizer Markt mit einem Marktanteil von 55 Prozent weiterhin in führender Marktposition. Fair gehandelte Bananen und Rosen waren im Online-Shopping sehr erfolgreich. Der Verkauf von Produkten aus Fairtrade-Baumwolle, deren Produktlinie erweitert wurde, stieg um 73 Prozent.

Schweden
In Schweden stieg das Volumen der Fairtrade-Verkäufe um 63 Prozent und erreichte einen Gesamtwert von 16 Millionen Euro. Bei Systembolaget, der staatlichen schwedischen Monopolfirma für alkoholische Getränke, wurden Fairtrade-Saft, -Zucker und -Wein gelistet. Im Jahr 2006 stellten Scandic und Hilton Hotels, eine der grössten Hotelketten Schwedens, zu 100 Prozent auf fair gehandelten Kaffee um. Außerdem wurde die neue Kaffeekette "Barista Fair Trade Coffee", die wenn immer möglich Fairtrade-Produkte serviert, lanciert.

Grossbritannien
Die Verkäufe von Fairtrade-Produkten in Grossbritannien stiegen im Jahr 2006 auf 293 Millionen Pfund oder 46 Prozent mehr als 2005. Die Fairtrade-Stiftung war Gastgeberin der ersten europäischen Konferenz der "Fairtrade Towns" - Kampagne, die von Richard Howitt MEP, dem Sprecher des Europäischen Parlaments für die Sozialverantwortung von Unternehmen, eröffnet wurde. Über 270 britische Städte erhielten den Status einer Fairtrade-Town.

Deutschland
Der Absatz der Fairtrade-Produkte auf dem deutschen Markt stieg um 100 Prozent auf 18.000 Tonnen. Der größte Zuwachs wurde bei den Fairtrade-Bananen erreicht. Verbraucherinnen und Verbraucher kauften 2006 Fairtrade-Produkte im Wert von 110 Millionen Euro, das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei sind Kaffee, Bananen und Süßwaren die umsatzstärksten Produkte. Von diesem Erfolg profitieren insbesondere die zertifizierten Produzentenorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika, die allein über den deutschen Markt 20 Millionen Euro Direkteinnahmen erhalten haben.

Der FLO-Jahresbericht kann von der Website www.fairtrade.net herunter geladen werden.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Verónica Pérez, FLO Leiterin Kommunikation:

E-Mail: v.perez@fairtrade.net

Tel.: 0049 228 949 2314

Hintergrund
FLO vereinigt nationale Siegelorganisationen des Fairen Handels in ganz Europa, Japan, den USA, Kanada, Mexiko, Australien und Neuseeland sowie die Produzenten-Netzwerke, die die Organisationen zertifizierter Fairtrade-Produzenten in Zentral- und Lateinamerika, Afrika und Asien vertreten. Das unabhängige Fairtrade-Siegel auf Produkten garantiert, dass benachteiligte Produzenten zu fairen Konditionen verkaufen können. Heute profitieren mehr als sieben Millionen Menschen - Bauern, Arbeiter und deren Familien - in 59 Entwicklungsländern vom internationalen Fairtrade-System.