Rebecca aus Kenia
Die Packerin
Sorgfältig legt Rebecca die Rosen nebeneinander, nicht ohne vorher zu prüfen, ob jede einzelne auch wirklich gerade und schön gewachsen ist. Sie schneidet die Stiele auf die selbe Länge und schlägt die Pracht in Wellpappe ein. "Ich liebe Rosen. Nicht nur, weil sie schön aussehen, sondern weil sie sich um mich kümmern, mir Arbeit geben und mich ernähren." Das nicht jede Rose gleich gut für ihre Arbeiter sorgt, erfährt Rebecca jeden Tag, wenn sie mit ihrem Mann Peter spricht. Der arbeitet auf einer Rosenfarm, die nicht für den Fairen Handel produziert und die Unterschiede sind gewaltig: "Peter bekommt keine Überstunden bezahlt und auf seiner Farm gibt es keine Krankenstation, wo er sich behandeln lassen könnte. Und sein Lohn kommt oft nicht pünktlich", erzählt die 23-Jährige. Rebecca und Peter leben mit ihrem einjährigen Sohn in einem großen, kahlen Raum. Der einzige Luxus ist eine Stereoanlage. Das junge Paar spart jeden Schilling, denn Dank der Fair Trade Prämie konnten sie günstig Land kaufen und darauf soll bald ein kleines Haus stehen.
Der Betriebsrat
Solarzellen, Stipendien für die Kinder, Grundstückskauf - für Grace und Rebecca sind diese Dinge nur möglich, weil es eine Fair Trade Prämie gibt. Zusätzlich zum normalen Preis wird für jede fair gehandelte Rose 12 Prozent zusätzlich bezahlt, Geld, das nicht an Panda Rosa, sondern an den Betriebsrat fließt. Jedes Jahr kommen so mehr als 100.000 Euro zusammen und der Betriebsrat trifft sich alle zwei Monate um darüber zu entscheiden wie das Geld verwendet werden soll. "Das erste, was wir mit der Prämie angeschafft haben, war eine Maismühle. Seitdem können die Arbeiter von Panda Rosa ihr Maismehl günstiger einkaufen als auf dem Markt," erinnert sich Ester, die Vorsitzende des Betriebsrates.
Die Projekte, die der Betriebsrat in Angriff nimmt, sind völlig unterschiedlich. "Wir haben Impfstoffe gekauft, so dass sich alle Arbeiter gegen Typhus und Hepatitis B schützen lassen können. Wir haben Wassertanks für Grundschulen in der Umgebung angeschafft, damit unsere Kinder in der Schule sauberes Trinkwasser haben. Wir bieten Kurse zur AIDS-Aufklärung an und informieren über das Arbeitsrecht." Um herauszufinden, was sich die Arbeiter wünschen, führen ihre demokratisch gewählten Vertreter regelmäßig Umfragen durch. Als nächstes soll eine Baumschule entstehen, damit sich jeder vor seiner Hütte einen schattenspendenden Baum pflanzen kann - auch dies war ein Wunsch aus der Arbeiterschaft.
"Wir sind jedem sehr dankbar, der eine fair gehandelte Rose kauft, denn mit jeder einzelnen wächst unsere Prämie, so dass wir mehr Projekte können wir verwirklichen können", fasst Ester den Dank der Arbeiter an die Kunden in Deutschland zusammen.
Der Betriebsrat von Panda Rosa ist sich sicher, dass der Faire Handel nach und nach überall in der Rosenindustrie die Arbeitsbedingungen verbessern wird. Die Züchter aus der Nachbarschaft sind von den Prämien, den höheren Löhnen und all den anderen Vorteilen bei Panda Rosa nicht gerade begeistert, denn die ersten Anzeichen für eine kommende Veränderung seien schon zu sehen, meint Ester: "Die Arbeiter von den anderen Farmen bekommen mit, dass es auch bessere Arbeitsbedingungen geben kann als bei ihnen. Und sie fangen an, die auch für sich einzufordern."
Der Arbeitgeber
Um seine Rosen von Transfair siegeln lassen zu können, musste der Eigentümer von Panda Rosa, Igal Elfezouaty, eine ganze Reihe Kriterien erfüllen: Gewerkschaftliche Organisation, Festanstellungen statt Saisonarbeit, Gesundheitsversorgung, Schutzvorrichtungen, höhere Löhne. All das wird nicht aus der Fair Trade Prämie finanziert, sondern muss von Panda Rosa selber geleistet werden. Igal Elfezouaty macht das alles nicht aus reiner Menschenliebe, sondern vor allem, weil es sich lohnt: "Glückliche Arbeiter sind gute und verlässliche Arbeiter", erklärt er lapidar. Er betrachtet die Vorteile für die Arbeiter als eine Investition in deren Loyalität, die sich auszahlt. Anders als auf anderen Farmen ist Streik bei Panda Rosa noch nie ein Thema gewesen - und Streik ist bei der empfindlichen Ware Rose eine Katastrophe. "Wir stellen fest, dass unsere Arbeiter besonders sorgfältig sind und sich große Mühe geben um ein optimales Produkt herzustellen. Und weil wir besonders gute Qualität produzieren, gewinnen wir immer mehr Kunden. Der Faire Handel hilft also allen: den Arbeitern genauso wie den Farmern." Igal Elfezouaty ist sich sicher, dass Panda Rosa die Auszeichnung "Bester Rosenzüchter Kenias" dem Fairen Handel verdankt.

