Eine neue Perspektive für Baumwollbauern

Justine Ouedrago
Justine Ouedrago präsentiert stolz ihre Bio-Baumwolle

"Der Bio-Anbau und Fairtrade lassen  uns wieder an eine positive Zukunft glauben."
(Justine Ouedrago)

Etwa 20 Kilometer entfernt von Fada N'Gourma im Osten von Burkina Faso leben die Bauern der Baumwollgruppe Yanduanma. Wer sie besuchen möchte, muss zunächst einen langen Weg über Holperpisten, Acker und Trampelpfade zurücklegen, bevor auf einmal, mitten im Nirgendwo, ein Dutzend runder Lehmhütten auftauchen.

Yanduanma bedeutet Friede und Stille. Der Name ist passend, denn die Ortschaft Komadougou, in der das kleine Dorf liegt, ist weit entfernt von all dem Trubel und Krach der in den Städten herrscht - hier gibt es keinen Strom und auch kein fließend Wasser. In Yanduanma haben sich im Jahr 2004 13 Bauern zusammengeschlossen, um gemeinsam Fairtrade-Bio-Baumwolle anzubauen. Heute sind es bereits 113 Mitglieder, 19 davon sind Frauen. Zusammen bebauen sie etwas weniger als 100 Hektar Land mit Fairtrade-Bio-Baumwolle an.

Dorf von Yanduanma
Das Dorf der Bauern von Yanduanma

Justine Ouedrago ist eine der 19 Frauen von Yanduanma. Die Mutter von vier Kindern hat vor ein paar Jahren mit dem Anbau von Bio-Baumwolle begonnen. Vor allem die gesundheitlichen Vorteile, die die Bio-Baumwolle mit sich bringt, haben sie diesen Weg gehen lassen. "Ich wollte nicht mehr mit Pestiziden in Berührung kommen. Und außerdem kann ich so mehr Geld für meine Familie verdienen", sagt Justine. Mit dem Mehrerlös, den Justine durch den Fairtrade-Mindestpreis und den Bioaufschlag erhält, kauft sie Kleidung und Schulhefte für die Kinder. "Ich möchte mir von dem Geld einen Webstuhl kaufen", so Justine. So könnte sie ihre Baumwolle zu Stoffen verarbeiten und diese dann später in der Stadt verkaufen.

Dieses Jahr wird es schwierig für die Bauern etwas Geld bei Seite zu legen: Der Regen blieb aus und die Menschen klagen über schlechte Ernten. "Der Ertrag ist gerade halb so groß wie letztes Jahr", sagt Justine. Trotz der schlechten Regenzeit blicken die Bauern optimistisch in die Zukunft, denn Fairtrade und der Bio-Anbau haben Ihnen wieder eine neue Perspektive eröffnet. Ohne den festen Mindestpreis wäre es vielen von ihnen nicht mehr möglich, ihre Felder zu bewirtschaften, da der Marktpreis die Produktionskosten nicht deckt.

Durch Fairtrade bekommen alle Mitglieder von Yanduanma einen festen Mindestpreis für ihre Baumwolle bezahlt, der bei 41 Cent für einen Kilo Bio-Baumwolle liegt. Für konventionelle Baumwolle würden sie nur einen Marktpreis von 22 Cent ausgezahlt bekommen. Der Erfolg ist deutlich sichtbar: Dadurch, dass sie mehr Geld verdienen, konnten sie in den vergangenen Jahren ihr Dorf weiter ausbauen  - neue Lehmhütten und Vorratsspeicher wurden angelegt.

Baumwolle
Die Baumwollfelder liegen etwa 15 Minuten entfernt von den Dörfern

Bei Fairtrade wird zusätzlich pro Kilo eine Fairtrade-Prämie von 5 Cent ausgezahlt. Mit diesem Geld werde Sozialprojekte finanziert. Die Bauern entscheiden gemeinsam, wofür die Prämie eingesetzt werden soll.  Zwei Mal im Jahr findet eine Generalversammlung der umliegenden Dörfer statt. Die Bauern schlagen verschiedene Projekte vor und per Handzeichen wird dann entschieden, welches Projekt zuerst umgesetzt werden soll. Justins Gruppe hatte sich dafür entschieden, von der Prämie eine Kantine für die Dorfschule zu bauen. Dort können die Kinder jetzt mittags essen, und danach gestärkt den Nachmittagsunterricht besuchen.

Als zweites Projekt wurde die Reparatur der Wasserpumpe finanziert. Den ganzen Tag über transportieren Frauen und Kinder in gelben Kanistern Wasser auf dem Kopf oder in einem kleinen Karren zum Dorf. Als die Pumpe vor einem halben Jahr ausfiel, mussten sie einen weiten Weg zur nächsten Wasserstelle zurücklegen. Dank Fairtrade konnte die Pumpe neben dem Dorf schnell repariert werden und das Wasserholen war wieder weniger beschwerlich.

Justines Tochter
Justines jüngste Tochter geht noch nicht zur Schule

Neue Projekte, Pläne und Wünsche für die Zukunft gibt es viele in Komadougou: eine Geburtenstation, Medikamente, Impfungen und neue Schulklassen sollen von der Fairtrade-Prämie finanziert werden. Bleibt zu hoffen, dass die Ernte nächstes Jahr besser ausfällt und die Zahl der Mitglieder von Yanduanma weiter wächst, damit möglichst viele Ideen umgesetzt werden können. Wie alle Bauern hat auch Justine ihren ganz persönlich Wunsch für die Zukunft: "Ich hoffe, dass ich weiterhin einen guten Preis für meine Baumwolle bekomme. Dann kann ich es meinen Kindern so lange es geht ermöglichen, die Schule zu besuchen. Sie sollen später einmal eine gute Arbeit  finden."