Marco Valle aus Ecuador
Marco Valle arbeitet für die 1997 gegründete Kleinbauernorganisation Asociación de Pequeños Productores Bananeros "El Guabo" in Ecuador. Der gelernte Agrarökonom ist für die Qualitätskontrolle und das Tourismusprojekt "Banana Tours" zuständig. Bei seinem Besuch in Deutschland im Januar 2008 berichtete er von den Erfolgen des Fairen Handels.
Erste Erfolge mit fairen Bananen
"1998 erhielt "El Guabo" die Zertifizierung für den Fairen Handel und dann sollte im Herbst erstmalig ein eigener Container mit fair gehandelten Bananen in die Schweiz verschifft werden. Bisher hatten die Bauern ihre Bananen immer direkt an die Zwischenhändler verkauft und sofort Bargeld bekommen, jetzt mussten sie viele administrative Dinge lernen und auf ihr Geld warten bis die Bananen in Europa angekommen und geprüft worden waren. Der deutlich höhere Erlös und die Projekte, die mit den Fairtrade-Prämien gestartet werden konnten, haben dann aber für alles Warten entschädigt. Endlich konnten die Bauern den großen Plantagen und den Konzernen etwas entgegensetzen."
Der Faire Handel hat vieles verbessert
Dass das Prinzip funktioniert und für die Bauern viele Vorteile hat, zeigt der enorme Zulauf, den "El Guabo" schnell verzeichnete: Aus den ursprünglich 14 wurden 500 als Mitglieder eingetragene Kleinbauernfamilien, die in 17 regionalen Gruppen organisiert sind. Alle gemeinsam wählen die Geschäftsführung von "El Guabo" und entscheiden über die Verwendung der Fairtrade-Prämien. Marco Valle erzählt begeistert von den vielfältigen Projekten, die bereits realisiert werden konnten:
"Der Faire Handel wirkt wirklich! Es ist toll, wie sich diese Region in den letzten Jahren entwickelt hat. Mit dem zusätzlichen Geld aus dem Fairen Handel konnten wir zum Beispiel zwei Gesundheitszentren bauen mit Ärzten und Krankenschwestern. Die Ärzte fahren auch regelmäßig in die abgelegenen Regionen und behandeln dort die Leute. Alle Mitglieder und ihre Familien bekommen eine kostenlose Gesundheitsvorsorge und Impfungen. Das war vorher undenkbar. Außerdem haben wir eine eigene Apotheke eingerichtet, in der wir Medikamente günstiger anbieten können und alle Erwachsenen bekommen jährlich einen kostenlosen Erste Hilfe Kurs.
Der Faire Handel ermöglicht eine solide Aus- und Weiterbildung
Für die Bildung unserer Kinder haben wir mehrere Schulen renoviert oder neu gebaut, sie mit Möbeln und sanitären Anlagen ausgestattet. Wir haben auch erstmalig in dieser Region eine Sonderschule für behinderte Kinder eingerichtet - der erste Abgänger arbeitet jetzt schon im Sekretariat von "El Guabo". Wir wollen uns um alle kümmern und auch diese Kinder in die Gemeinschaft integrieren. Um allen Familien den Schulbesuch ihrer Kinder zu erleichtern, bekommt jedes Kind jährlich einen Rucksack und einen Gutschein für Schulbücher und Materialien. Wenn die Rucksäcke aus dem Vorjahr noch gut sind, schicken die Familien sie oft an Verwandte in anderen Teilen Ecuadors, so kommen sie dort noch Kindern zugute. Wir vergeben außerdem jedes Jahr Stipendien für einige Schüler für die Schuluniformen. Lehrer, die sich bereit erklären, in besonders abgelegenen Dörfern zu unterrichten, bekommen von "El Guabo" einen Bonus bezahlt. Mit dem kleinen Projekt "Bananito" verbessern wir außerdem die Ernährung der Kinder, indem wir regelmäßig Bananen ausreifen lassen und an die Kindergärten und Schulen verteilen."
Auch im Bereich der Produktion und Qualität konnten viele Verbesserungen erreicht werden: "Mit den Fairhandelsprämien finanzieren wir zusätzlich Infrastrukturmaßnahmen und regelmäßige Kurse für die Bauern. Besonders erfolgreich waren die Kurse zum ökologischen Anbau - das zusätzliche Einkommen durch den Fairen Handel hat vielen Bauern mittlerweile die Umstellung ermöglicht. Viele Frauen haben gelernt, selber organischen Dünger und Insektenbekämpfungsmittel herzustellen. Damit schonen sie die Umwelt, die Gesundheit ihrer Familien und sie können durch den Verkauf des Düngers noch ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften. Außerdem bringen die Bio-Bananen höhere Erlöse.
Umweltschutz wird bei "El Guabo" groß geschrieben
Früher hatten die Bauern ja gar keine Ahnung davon, was sie sich und der Natur mit den vielen Pestiziden, den Brandrodungen und dem Müll angetan haben. In den letzten 10 Jahren wurden rund um alle Farmen und um die Hauptwasserquellen einheimische Bäume und Büsche angepflanzt, um die Artenvielfalt zu erhalten, das Wasser zu schützen und Bodenerosion vorzubeugen. Es wurden neue, sparsame Bewässerungssysteme und ein Kläranlage gebaut, und die Plastikschutzhüllen der Bananenstauden werden nicht mehr wie früher verbrannt oder einfach außerhalb der Farmen weggeworfen sondern sorgfältig eingesammelt und an Recyclingfirmen gegeben."
Auch die rund 700 bei den Familien angestellten Arbeiter haben sehr vom Fairen Handel profitiert. Sie bekommen Mindestlöhne und sind bei der Sozialversicherung registriert, auf allen Farmen wurden sanitäre Anlagen eingerichtet und zusätzlich verteilt "El Guabo" an jeden Arbeiter einmal im Monat ein Packet mit Grundnahrungsmitteln im Wert von 15 USD. "Das ist eine große Erleichterung für die Arbeiterfamilien, die dafür nicht in die entfernten Läden gehen müssen", erklärt Marco Valle.
Zukunftspläne
Besonders freut sich Marco Valle, dass von den vielen Projekten nicht nur die Mitglieder von "El Guabo" profitieren sondern alle Menschen der Region.
Und die Ideen zu weiteren Projekten sind zahlreich. Vor allem sollen die Einkommensquellen der Bauern diversifiziert werden, damit sie nicht mehr so abhängig von den Bananen sind. Marco Valle stellt das neueste Projekt von "El Guabo" vor: Öko-Tourismus mit "Banana Tours". Auf Ausflügen sollen Touristen nicht nur die Naturschönheiten Ecuadors kennen lernen sondern auch den kompletten Ernteprozess von Bananen miterleben dürfen und für eine Weile das Leben der Bananenbauern teilen. "Die Bauern finden das selber auch interessant, sie lernen gerne die Menschen kennen, die bei sich zu Hause unsere Bananen kaufen. Der Faire Handel hat ihnen auch mehr Mut gegeben, Neues auszuprobieren."
Er selber hofft, durch seine Arbeit bei "El Guabo" noch viel bewegen zu können. "Wenn die Menschen in Europa weiterhin unsere Fairtrade-Bananen kaufen, werden wir noch viele Verbesserungen für das Leben der Menschen hier erreichen können."

